ÜBER IVANA

Manche Dinge verlieren wir nicht. Sie warten darauf, von uns wiederentdeckt zu werden.

Schon als Kind besass ich eine ausgeprägte Vorstellungskraft. Meine Gedanken erschufen eigene Welten, Orte, an denen ich mich frei, geborgen und vollkommen bei mir fühlte.

Besonders Architektur, geometrische Formen und Räume faszinierten mich. Ich zeichnete Häuser, entwarf Vorstellungen meines späteren Lebens und brachte zu Papier, was zunächst nur in meiner Fantasie existierte. Rückblickend erkenne ich darin etwas, das mich bis heute begleitet: den Wunsch, dem Unsichtbaren eine Form zu geben.

Mit den Jahren wurde diese Welt leiser.

Schule, Studium, Arbeit, Sport und die Anforderungen des Alltags nahmen ihren Platz ein. Kreativität wich zunehmend dem Funktionieren. Ich gewöhnte mich an Strukturen, Ziele und Routinen, bis ich beinahe vergessen hatte, wie befreiend es sich anfühlt, ihnen für einen Moment zu entkommen.

Erst die Begegnung mit meinem heutigen Ehemann und die Familie, die daraus entstand, öffneten diesen Raum in mir erneut. Liebe, Nähe, Verletzlichkeit und Veränderung liessen mich intensiver wahrnehmen und weckten das Bedürfnis, diesen Empfindungen wieder Ausdruck zu verleihen.

Ich begann erneut zu malen.

Heute zeichne ich keine Häuser mehr, in denen ich eines Tages leben möchte.
Ich male das, was in uns lebt.

Für mich gleicht der Mensch selbst einem abstrakten Kunstwerk. Wir tragen Widersprüche, Erinnerungen, Sehnsüchte und Spuren des Erlebten in uns. Leichtigkeit begegnet Schwere, Stärke der Verletzlichkeit, Ruhe der Unruhe.

In meinen Arbeiten werden Farben zu Empfindungen, Strukturen zu Erfahrungen und Spuren zu Zeugnissen dessen, was uns prägt.

Dabei folge ich keinem starren Konzept. Meine Mixed-Media-Technik habe ich mir aus eigener Neugier und durch kontinuierliches Experimentieren erschlossen. Acryl, Aquarell, Kohle und strukturgebende Materialien verbinden sich auf Leinwand und Papier zu vielschichtigen Kompositionen, deren Entstehung ich intuitiv begleite.

Denn das Leben verläuft nicht nach einem festen Entwurf. Warum sollte Kunst es tun?

Meine Werke sollen nicht vorgeben, was man in ihnen zu erkennen hat. Mich interessiert vielmehr jener Augenblick, in dem ein Bild etwas Persönliches auslöst, eine Erinnerung, eine Empfindung oder eine Verbindung, die sich vielleicht gar nicht in Worte fassen lässt.

Denn Kunst beginnt für mich nicht dort, wo wir sie verstehen.
Sie beginnt dort, wo wir sie fühlen.

Ich bin Ivana Belny, geboren in Zürich und heute mit meiner Familie im Thurgau zu Hause. Ehefrau, Mutter, Betriebsökonomin und noch immer jener fantasievolle Mensch, der einst ganze Welten auf Papier entstehen liess.

Heute gebe ich dieser inneren Welt wieder Raum.

Meine Kunst ist meine Sprache für das, was sich nicht immer in Worte fassen lässt.
Vielleicht begegnet dir darin auch ein Teil deiner eigenen Geschichte.